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Murmeln werden unterschätzt. Erst heute hielt ich eine angeregte Diskussion mit einem Arbeitskollegen über den äußerst tragischen Werdegang dieser ehemals so knallharten Schulhofswährung. Was wurde mit den Dingern früher nicht alles getauscht, gefeilscht, gesammelt und manchmal
sogar tatsächlich auch gespielt. Egal wie schachköpfig man auch war, mit dem nötigen Murmelreichtum war man jemand. Basta.

Natürlich kam es dabei nicht auf die bloße Anzahl an, sondern der Wert wurde selbstverständlich auch nach Art und Typus bemessen. Schnöde
Glasmurmeln? Waren bestenfalls für eine imaginäre Wert-Einheit gut. Weiße Milchmurmeln waren – je nach Muster und Beschaffenheit – dagegen für mindestens fünf, ja wenn nicht sogar acht bis zehn Einheiten gut. Und die Kronjuwelen stellten selbstverständlich die in sämtlichen Spektren des Regenbogen glänzenden Öl-Murmeln dar. Je nach Größe konnten diese Werte natürlich variieren.

Im Murmel-Wahn hat sich damals so mancher Grundschulknirps bis über beide Ohren in Tauschhandel verstrickt. Um an die Objekte der Begierde zu kommen wurde da auch schon mal das ein oder andere Fahrrad oder auch optional
die kleine Schwester eingetauscht.

Geärgert wurde sich dann spätestens zu dem Zeitpunkt, an dem der große Knall kam. Denn genauso wie der Murmelwahn Einzug auf jedem Schulhof hielt, verschwand er irgendwann auch wieder. Binnen weniger Tage setzte dann eine Mega-Murmel-Inflation ein, in der jeder versuchte seine Schäfchen ins Trockene zu bringen und vorzugsweise dem nächstbesten Klassentrottel alles unterzujubeln. Was blieb waren zerstörte Kinderträume, Gewinner, Verlierer und eine zerplatzte Seifenblase. Eigentlich keine andere Mechanik als im Spiel des Lebens der Erwachsenen. Ziemlich bemerkenswert.

Ich finde es wird höchste Zeit mal wieder einem gepflegten Kindheits-Murmel-Wahn zu verfallen. Biete vier Glasmurmeln, zwei Milchmurmeln
mit nahezug perfekter Maserung gegen schöne große Ölmurmel – wer schlägt ein?